Willkommen ... China zu Zweit   2006/2007
Reportage




Datum: 25.2.2007
Tokyo

Nur gerade vier Flugstunden von Beijing liegt eine weitere asiatische Grossstadt, welche seine Wurzeln in der chinesischen Geschichte findet.

Tokyo, das Mekka der Elektronik, der Sauberkeit und der beinahe perfekten Organisation. Tokyo auch eine Stadt, deren Preise jenen der Schweiz entsprechen und für uns, als Touristen aus China beinahe unerschwinglich hoch sind!

Bildergalerie im Grossformat

Als wir Beijing mitten im Januar mit dem Flugzeug verlassen haben, konnten wir uns kaum vorstellen, dass sich nicht nur die Stadt, sondern auch die weite Umgebung in einem identischen Zustand präsentieren würde. Eisige Kälte während den letzten Wochen, kein einziger Regentropfen während den letzten Monaten und die weiten Ebenen rund um die chinesische Metropole präsentierten sich mit trockenen Flussläufen, gefrorenen Gewässern und endlosen Trockengebieten. So weit das Auge sehen kann, kein grüner Fleck zu sehen. Eine "Natur"-Farbe, die einem nach derart viel Trockenheit völlig abhanden geht.
Wer in Tokyo ankommt, wird sofort, und dies mit absoluter Eindeutigkeit feststellen, dass nicht nur in dieser Stadt, vermutlich auch im ganzen Land, einige Dinge vollständig anders sind. SAUBERKEIT und ORGANISATION sind zwei Ausdrücke, die uns sofort ins Auge gestochen sind. Die Einreiseformalitäten erledigt man an aufgeräumten kleinen Tischen, Lesebrillen in verschiedenen Stärken, genügend Kugelschreiber und ein Assistent, der einem anschliessend den Weg zur nächsten Station zeigt, waren das erste Beispiel (Böse Zungen behaupten, dass selbst die Papierkörbe noch "ordentlich aufgeräumt" sind resp. werden).

Die Zollformalitäten werden peinlichst genau durchgeführt. Kein Unterschied auch für jene Reisegäste die Nichts-zu-verzollen haben. In der Schlange anstehen, warten bis der Zöllner einem per Handzeichen das Näherkommen erlaubt und endlose Fragen über Reiseziel, Reisedauer, Reisegrund, mitgeführte Produkte, usw., usw., usw. Ich hätte beinahe laut losgelacht, ob all dieser Fragen, doch der Ernst des Gesichtsausdruckes liess mich noch warten.

Sauberkeit; wer in Tokyo reist, wird feststellen, dass es kaum Dreck, resp. eigentlich gar keinen "sichtbaren" Dreck gibt. Alles gründlich sauber. Dies nicht etwa, weil unzählige kleine Helfer für Sauberkeit sorgen, wie dies etwa zum Alltagserscheinungsbild in China gehört, nein, es hat uns den Eindruck gemacht, dass die japanischen Menschen schlicht und einfach nicht in der Lage sind, irgendetwas "spontan" wegwerfen zu wollen. Denn abgesehen von den organisierten Abfallsammelanlagen (Recycling) haben wir auch kaum Abfallkübel gefunden. Und die Menschen essen und trinken und rauchen auch nicht in den Strassen.

Apropos Rauchen! Rauchen ist in den Strassen, auf dem Trottoir und beinahe in sämtlichen Gebäuden und Anlagen strikt verboten. Überall wo man jedoch mehr als 10 Japaner zusammen in einer Gruppe sieht, ist auch sicher der nächste Raucherplatz "Smoking-Aera" nicht weit entfernt!!!

Wir könnten hier noch viele Beispiele von Sauberkeit und Organisation und/oder der Kombination der beiden Begriffe aufzählen. Wir glauben, dass die kleine Bildergalerie genügend Rückschlüsse auf die japanische Definition von Sauberkeit und Organisation zulassen wird.

Eines müssen wir jedoch noch anfügen. In ganz Tokyo haben wir während unseres Aufenthaltes kein einziges dreckiges Auto gesehen. Auch keines, dass eine Beule, eine Delle, einen Kratzer oder sonst einen Schaden hatte. Selbst die Velos waren alle wie neu. Und trotz des kleinen Nachtregens, konnten wir am folgenden Tag weder dreckige noch mit Wasserflecken verzierte Autos sehen. Ein beinahe unglaubliches Phänomen ...
 
Ja, ja, wir waren in Tokyo!

... und auch dort herrscht zur Zeit Winter!

Wir waren beide sehr überrascht, überall Blumen zu sehen. Neben Grau und den weissen Markierungen, stellt Grün die wohl wichtigste Farbe im Strassenbild von Tokyo dar. Tulpen, Geranien und sonstige wunderschöne Blumen schmücken jeden Hauseingang. Den Garten haben wir bei keinem der unzähligen Häuser gefunden, dafür viele hunderte, gar tausende kleine "Blumeninseln", die die Hauseingänge zu wahren Blütenoasen aufleuchten lassen.

Zu Thema Garten sei erwähnt, wer Tokyo per Fuss erkundet wird schnell feststellen, dass die Stadtplanung zwei Ziele verfolgt, optimale Ausnutzung der Baufläche (jedoch nicht der Höhe) und Alles was grün sein soll, wird zentral in den grossangelegten Pärken zusammengefasst. Doch leider dominiert auch dort hautsächlich die Farbe grau, dies um den vielen Besuchern, die "grün"-Erkundung überhaupt zu ermöglichen. Ach ja, wer vor der Haustüre kein persönliches Gartenbeet anlegen kann, der wird in der Wohnung mindestens in einem Zimmer jede Zimmerecke mit kleinen Miniaturgärten (z.B. in einem Stück Baumstamm) verschönern, um den Bezug zur Natur zu wahren.

Doch auch hier wird nichts dem Zufall überlassen, selbst die Tulpen haben mir den Eindruck erweckt, als wüssten sie genau, in welche Richtung sie zu wachsen haben, um nicht durch spezielle Massnahmen wieder auf den richtigen Weg gezwungen zu werden. Schliesslich gilt es, den bestmöglichsten Eindruck der Perfektion oder der Illusion zu wahren!

Individualität unseres Erachtens ein Begriff, der in Tokyo nur durch die vielen ausländischen Besucher ins Land gebracht wird und später auch wieder mit diesen verschwindet.

Nach zwei Tagen Tokyo mussten wir feststellen, dass die Eindrücke, wenn auch nur als Tatsache aufgezählt, immer einen etwas "negativen" Eindruck hinterlassen. Dies ist nicht der Fall. Es ist einfach nur so, dass hier alles derart gründlich gemacht wird, dass es für uns beinahe abschreckend und lähmend wirkt.

Nun zu etwas ganz anderem. Die japanische Küche besteht nicht nur aus Sushi, obwohl dieses Gericht in der Welt beinahe jedem Erdenbürger ein Begriff ist. Die Wurzeln der Küche sind in der chinesischen Küche zu suchen. Während die chinesische Küche in China überall sehr reichhaltig und abwechslungsreich ist, hatten wir einige Mühe, die japanischen Essgewohnheiten kennen zu lernen. Überall sind die europäischen, die amerikanischen, die indischen, die russischen, resp. einfach gesagt die internatinalen Küchen präsent. Im Gegensatz zu China stellen diese jedoch keine Bereicherung dar, sondern sind schlicht und einfach wichtiger Bestandteil der Verpflegungsmöglichkeiten. Die wahren japanischen Spezialitäten muss man, wie übrigens auch in der Schweiz, in kleinen Spezialitätenrestaurants suchen!!!
 
Ich glaube Japan produziert ausser etwas Reis und Gemüse kaum andere Lebensmittel. Warum dieser Gedanke? Der Blick in die grösste Fisch-Markthalle der Welt erklärt einiges. Der Tsukiji-Market ist Dreh- und Angelpunkt für sämtliche Lebensmittel, die in Tokyo verkauft und verzehrt werden. Hier werden nicht nur Fische, wie der sehr berühmte Thunfisch durch Fischereiunternehmungen in einem "Open-Cry-Market" an die Grosshändler versteigert, sondern alle Früchte- und Gemüsesorten sind hier zu finden. Kleinhändler und Private können hier von den Grosshändlern direkt ihre Waren beziehen. Die Vielfalt, aber vor allem die Preise sind unglaublich! (100 Yen = 1 CHF).
Kultur in Tokyo? Nun es gibt unzählige Museen, Galerien oder sonstige Kulturdenkmäler, alle haben jedoch eines gemeinsam. Sie zeigen, wie Japan früher war und längst nicht mehr ist und vor allem sind sie gute Einnahmequellen für die Besitzer, denn in den Strassen existieren nur noch wenige Kultstätten. Diese sind meist auch sehr mit dem Buddhismus oder dem Taoismus verbunden. Ein Tempel, wenige kleinere Tempel in der nächsten Umgebung, das wars!

Da zeigen die Stadtaufnahmen von Tokyo schon mehr, eine Grossstadt, die aus unzähligen kleinen Häusern besteht und hier und da durch einen schlanken, zum Teil modischen Wolkenkratzer ergänzt wird.

Wer Tokyo und die japanische Kultur von Heute kennen lernen möchte, der muss sich schon mit den Problemen dieser Gesellschaft befassen. Fehlende Intimität und Privatsphäre in der Familie führen zu einem völlig neuen Begegnungsort. Die sogenannten Love-Hotels befinden sich in verschiedenen Quartieren von Tokyo. Vom einfachen "Stundenhotel" bis zur exklusiven Suite findet man eine reiche Auswahl an verschiedensten Zimmertypen. Entweder für wenige Stunden (ab 30 Minuten), zum normalen Standard (3 Stunden), resp. für die ganze Nacht (ab 22:00 Uhr - 12:00 Uhr) werden diese Zimmer den Benutzern angeboten.

Wir haben uns in vielen verschiedenen Hotels die Zimmer und Einrichtungen zeigen lassen, bevor wir uns für jenes mit dem "hydraulischen Liebesstuhl" entschieden haben. Die Neugier, wie dieser Stuhl funktionieren würde, hat uns davon abgehalten Zimmer mit Himmelbett, Sado-Maso-Ausrüstungen oder sonstigen zum Teil wirklich "witzigen" Dekorationen auszuwählen.

An der Rezeption, meist ein kleines Guckloch in der Wand oder aber ein vollelektronisches Steuerpult mit Kreditkartenfunktion, wurden wir nach Rückfrage aufs Zimmer begleitet und in die grobe Funktionsweise dieses Stuhls eingewiesen. Das Zimmer besteht aus einem grossen Bett (ähnlich einem Wasserbett) mit integriertem Steuerpult (Stereoanlage, Fernseher, Licht, Temperatur), Kühlschrank, Mikrowelle, Kaffeemaschine, Kochnische, grossangelegtes Badezimmer mit Whirlpoolbadewanne und separater Lichtanlage, Klosomat-WC und genügend Badetücher für eine ganze Nacht. Nicht zu vergessen, sämtliche Toilettenartikel, die Mann und Frau vor, während und nach einer Liebesnacht benötigen könnten. Wir haben uns überzeugt, hier wurde wirklich an alles gedacht, schliesslich will man hier geniessen und nicht mit der vollständigen Heimausrüstung anreisen müssen. Zu erwähnen ist auch, die freie Benützung des DVD-Players und der reichhaltigen Auswahl an DVD-X-Filmen, sowie die Playstation und die sonstigen Elektronikgadets die beinahe nach Belieben ergänzt werden können.

Nach Rücksprache mit dem überaus hilfsbereiten Manager haben wir uns für drei X-Filme aus den Gebieten "Jeder mit Jeder", "500 Menschen" und einem Manga entschieden. Alle japanischen Filme werden mit dem berühmten Zensurbalken oder der graphischen Verwischung des "wirklich interessanten" Teils des X-Filmes zensuriert. Dies gilt in ganz Japan per Gesetz und wird, wie es sich für Japan gehört auch korrekt eingehalten. Einzig der Film "500 Menschen" hat uns total in seinen Bann gezogen. Kleiner Einblick? mehr...
Rechtzeitig, fünf Minuten vor 12:00 Uhr Mittags, wurden wir per Telefon höflich auf den Schluss unseres Aufenthaltes aufmerksam gemacht!

Ach ja, der Liebesstuhl: Einige, der auf der Bedienungsanleitung aufgeführten Liebespositionen, sind wirklich nur für asiatische Liebespaare gedacht, andere erleichern die Arbeit des Mannes bis auf die Tatsache, dass er "bereit sein muss". Denn selbst an die rhytmischen Bewegungen des männlichen Beckens wurde gedacht. Eine Bereicherung für eine Nacht, jedoch kein Ersatz für den Hausgebrauch lautet unser einstimmiges Urteil.

Für den Preis von CHF 100.00 haben wir ein umfassendes, sehr sauberes und vor allem vollständiges Angebot erhalten. Wer in Tokyo ist, sollte von den Love-Hotels unbedingt Gebrauch machen. Wir hätten uns überlegen müssen, jede Nacht in einem anderen Love-Hotel zu verbringen, doch der ständige Hotelwechsel wäre vermutlich sehr ermüdend geworden. Und die Love-Hotels werden auch wirklich sehr rege genutzt. Bei einzelnen Paaren trennen sich die Wege jedoch unmittelbar nach Verlassen des Hotels ...

"Heiratet ja nicht in China", wurde mir auf den Weg gegeben und ich habe auch versprochen, dies nicht zu tun. In der "Partire Tokyo Bay Wedding Village" hätte ich dieses Versprechen nicht einmal brechen müssen, denn Tokyo liegt nun wirklich nicht in China!!! Derart viel Kitsch und jeglicher Mangel an Individualität liess dieser Möglichkeit jedoch keine Chance!
Und wer die Hochzeitsnacht nicht gleich im dahinter neu erstellten 5-Sterne Hotel verbringen möchte, der sollte sich auch kein Hotelzimmer in einem der unzähligen "Capsular-Hotels" nehmen. Hier wird Intimität und Privatsphäre aufs Höchste geboten. Eine Kabine, genau 2Meter lang, 90cm breit, mit Fernseher, Radio, Wecker, Licht und der Gewissheit ruhig schlafen zu können. Diese Kabinen werden von vielen Menschen genutzt. Zum Preis von ca. 30-50 CHF erhält man die Kabine, einen Gemeinschaftsraum mit WC und Umkleideraum, einen Baderaum, zwei Badetücher und einen Kimono, einen abschliessbaren Schrank und die Gewissheit, dass alles sauber und rein ist. Es ist natürlich selbstverständlich, dass die Geschlechter getrennt nächtigen. Männer in den unteren Etagen und die Damen in den oberen Etagen, wobei sich diese Türen nur mit dem jeweiligen Garderobeschrankschlüssel öffnen lassen. Man möchte schliesslich vermeiden, dass "jemand" auf falsche Gedanken kommt.

Auch wir haben von dieser Übernachtungsmöglichkeit Gebrauch gemacht. Unsere einzige Nacht, die wir nicht gemeinsam verbracht haben! Auch diese Erfahrung zählen wir als Bereicherung.

Nebst unser Liebesnacht im Love-Hotel und der Nacht in den 1-Mann-Zellen haben wir die übrigen Tage in zwei Hotels des Typs "Ryokan" verbracht. Ryokan sind die traditionellen Unterkünfte und entsprechen bei uns in etwa den Pensionen. Meist nicht mehr als 8-10 Zimmer, mit zum Teil Gemeinschaftssanitätanlagen, können aber bequem per Internet gebucht werden. Zusätzlich zu den Badetüchern liegt auch für jeden Gast der traditionelle Kimono mit Gürtel bereit. Die Zimmer sind mit Matten-Boden (Tatami), einem Futon-Bett, einem Fernseher und einem 20cm hohen Tischchen bestückt. Mehr erhält der Gast für den Preis von 80-100 CHF pro Zimmer nicht. Dafür die Gewissheit, traditionell auf dem Boden, auf einer dünnen Matte mit einem sehr dicken Duvet (100x180cm) schlafen zu können. Ach ja, eine Spezialität müssen wir noch erwähnen. Wer ein Ryokan betritt, wird sofort seine Schuhe ausziehen und sich mit bereitgelegten Hausschuhen weiter im Haus bewegen.
 
Ein wichtiger Bestandteil des japanischen Lebens wird mit der Teezeremonie zelebriert. Jahrelanges Training resp. Schulung bildet die Grundlage dafür. Gesucht wird die Harmonie. Ein Garten zur Betrachtung, das Wasser zur Reinigung (Hände und Mund), Grünteepulver, heisses Wasser, sorgsam geführte Bewegungen und feste Grundsätze führen den Gast und seine Freunde in eine andere Welt. Die Trinkgefässe, die Sitzordnung, die Reihenfolge der Personen müssen entsprechend der Wichtigkeit sortiert, benützt und eingehalten werden. Da der Grüntee ohne Zucker, nur in kleinen Mengen und beinahe kalt serviert wird, erhalten die Gäste vorgängig, einige sorgfältig zubereitete Süssig-"Zucker"-keiten. Die einfache Dekoration, welche monatlich zum Vollmondtag gewechselt wird, soll nicht ablenken und dennoch schmücken.

Eine besondere Zeremonie für uns beide, jedoch keine, die in unserem Leben Platz finden wird.
Redet man von Harmonie, so muss man natürlich auch die Reinheit des Körpers erwähnen. Früher in den Badehäusern, heute in der eigenen Wohnung, das Waschen des Körpers als wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens.

Wir haben eines jener unzähligen Badehäuser besucht und waren von vielen Dingen sehr überrascht. Grundsätzlich gilt in Japan, dass man das Hausinnere niemals mit Schuhen betritt. Der Dreck des Alltages soll draussen bleiben! Auch in den Badehäusern ist dies so umgesetzt. Erst die Schuhe ausziehen, danach zur Kasse, ab in die getrennten Umziehkabinen, gemeinsam durch den Wasserweg (Kneipp) und schliesslich durch die "Touristenhalle" zu den nach Geschlechtern getrennten Badehäusern. Alles barfuss und im Kimono gekleidet erreicht man schliesslich das Badehaus. Zuerst ein neues Schliessfach für den Kimono, ein kleines Badetuch zur Körperreinigung, ein grosses zum späteren Trocknen und endlich in die Hallen der Bäder. Nun gilt es sich sorgfältig zu waschen. Entweder unter Duschen oder in unserem Badehaus, vor kleinen Schmincktischchen. Sitzend auf einem kleinen Schemel umgeben von Wasserhahnen, Duschbrause, Shampoo, Duschmittel und ein kleines Holzbecken und mit Hilfe des kleinen Badetuches beginnt die Reinigung. Sorgfältig die Seife abwaschen und anschliessend sauber die verschieden heissen Bäder (inkl. Kaltwasserbecken) geniessen. Angeboten werden auch Bürstenmassagen, sowie spezielle Aroma- und Reinigungsmassagen zu beinahe den selben Preisen wie in Rheinfelden!

Nach dem wohlverdienten Bad folgt das Trocknen, zurück mit dem Kimono in die Touristenhalle, zur Verpflegung, zum Verweilen oder zum geniessen einer jener kleinen Theateraufführungen, aus längst vergangenen Zeiten. Wer jedoch eine richtige Theateraufführung erleben möchte, muss sich auf einen langen Tag gefasst machen. Im Kabuki-Za-Theater erscheint man um 11:00 Uhr mit einem Verpflegungssortiment für einen ganzen Tag! Es stehen 11 Akte auf dem Programm. Jeder Block dauert zwischen 90 - 120 Minuten und wird durch kurze Pausen zur Verpflegung unterbrochen. Abens kurz nach 21:00 Uhr endet die Vorstellung!

Wir haben dieses Theater besucht und die Möglichkeit genutzt, auch nur einen einzelnen Block auf der vierten Tribünenterasse (speziell für Kurzbesucher) zu beobachten. Die meisten Gäste haben die Gelegenheit genutzt, sich vom Alltagsstress zu "erholen" und dies trotz Simultanübersetzung mittels Knopf im Ohr. Jeglicher weiterer Komentar zu diesen Bühnen-"spektakel" erübrigt sich....
Seit wir in Beijing leben, ist der Verkehr ein tägliches Schauspiel der Sonderklasse. Chaotisch und doch organisiert, laut aber dennoch nicht aggressiv, ein ständiger Kampf um wenige Meter Vorsprung bis zum nächsten Halt!

Verkehr in Tokyo bedeutet vollständige Organisation und Abhängigkeit. Kein Drängeln, kein Huppen, kein Lärm und alle Teilnehmer verhalten sich vollständig diszipliniert. Keine Fussgänger mitten auf der Strasse, die Fussgängerstreifen werden nur betreten, wenn die Ampel grün anzeigt und sonst wird geduldig gewartet, denn die Lichtsignalanlagen sind auf Intervall eingestellt. Keine Möglichkeit, den berühmten Knopf an der Ampel zu drücken, um den Verkehr zum anhalten zu zwingen! In den Quartierstrassen, alle 50 Meter ein Rotlicht, auch hier keine Synchronisation, wer 200 Meter Quartierstrasse benutzt, weiss mit Sicherheit, dass er alle 50 Meter anhalten wird, um sich zu "erholen".

Es ist unglaublich, während unseres Aufenthaltes haben wir nur gerade dreimal Personen beobachten können, die nicht gewartet haben, bis die Fussgängerampel in der Quartierstrasse oder auf einer Hauptstrasse endlich auf grün umgeschaltet hat, zweimal waren wir die "Bösewichte", einmal ein gestresster Geschäftsmann, vermutlich Engländer oder Australier!

Ein weiterer Unterschied zu Beijing, liegt in den Kosten einer Taxifahrt. Während man in Beijing für die ersten rund 15 Minuten Taxifahrt 1 € bezahlt, kosten in Tokyo die ersten 3.5 Kilometer Wegstrecke bereits CHF 6.00 und danach addiert der Zähler pro 325 Meter CHF 1.00.

Wer sich die Fotos des Taxis genauer anschaut, wird auch feststellen, dass nebst viel Elektronik, Werbung, einer automatischen Türöffnung, auch kleine blaue Säckchen bereit hängen. Diese für jene Fahrgäste, die es nicht gewohnt sind, im 50Meter Stop-an-Go Fahrstil, Taxi zu fahren.

Die Metro von Tokyo gilt als das Hauptverkehrsmittel der Japaner. Zum Beginn des Arbeitstages (09:00 Uhr) und trotz des geringen Verkehrs, erlebten wir eine weitere, lärmige Fortbewegungsart der Japaner. Helikopter! Während rund 30 Minuten schwebten diese wie Mücken am Himmel über den verschiedenen Businesstürmen, um ihre Fracht abzugeben. So schnell sie gekommen sind, so schnell sind sie auch wieder verschwunden ....

Die Fahrt in der Metro kann trotz des vermeintlich seriösen Auftretens der Japaner (vor allem der männlichen Spezies) für Frauen sehr belästigend sein. Warum? Gut, man kann sich daran gewöhnen, dass die Männer ihre Mangas (Comixhefte), beinahe so dick wie die Bibel, während der Fahrt lesen, ungewöhnlich, dass es sich dabei um pornographische "Heftchen" handelt, alle übersäht mit schwarzen Balken (versteht sich von selbst!). Aber zu "Stosszeiten" sollten die weiblichen Fahrgäste die speziellen "Frauenwagen" benutzen, um sicher zu sein, nicht von etwelchen Händen berührt oder "tuschiert" zu werden! --> Ganz offiziell und niemand stört sich daran!!!!
Ein weiteres Problem der japanischen Gesellschaft; Abhängigkeit von der Elektronik und die Sucht der Spiele. In jedem grösseren Elektronikgeschäft können unzählige Gadgets gekauft werden, um die aktuelle Spielesammlung zu vervollständigen. Wer bei uns in McDonalds geht und das Kindermenu bestellt, wird dies sicher 3-4 mal wiederholen müssen, um die aktuelle Aktion von Disneyfiguren vollständig zu erhalten. In Tokyo existieren kleine Sammelglücksboxen aus denen man für jeweils 100Yen (~ 1CHF) durch kleine Rüttelbewegungen die gewünschte Sammelfigur erhalten kann. Wem dies jedoch zu umständlich ist, aus einer Reihe von mehreren hundert Automaten, jenen auszusuchen, in welchem das gewünschte Sammelobjekt beim nächsten Drehvorgang herausfallen wird, der kauft sich eben gleich die vollständige Serie!
Beinahe überall in Tokyo findet man die grossen Spielhallen, um PACHINKO spielen zu können. Da in Japan Geldspielautomaten gesetzlich verboten sind, mussten eben kleine Metallkügelchen erfunden werden, die die Funktion eines 1-armigen-Banditen steuern (Not macht erfinderisch!). Man kauft für 1000Yen 250 Kügelchen und startet das grosse Glücksspiel. Ob Jung, ob Alt, ob männlich, ob weiblich, alle spielen PACHINKO. Und wer am Wochenende einen Platz für 90 Minuten erhalten möchte, der wird die Nacht vor einem PACHINKO-Spielsalon verbringen und ab 07:00 Uhr morgens ein Informationsblatt A4 erhalten. Lageplan der Automaten sowie eine "Sitzplatzbestätigung" mit dem entsprechenden "Zeitfenster" für sein persönliches Glücksgefühl. Als wir am Samstag morgen, um 09:00 Uhr, die beinahe endlosen Kolonne passierten, wurden bereits die Zeitfenster 16:00 - 18:30 Uhr verteilt. Ach ja, wer die Warteschlange verlässt, verliert auch seinen Eintritt....

Auch in den übrigen Spielsällen wird eifrig gespielt, sei es nun das traditionelle Videospiel, die modernen 3D/4D-Einmann-Spielkabinen (auch hier wird fleissig auf das nächste Zeitfenster gewartet), die lärmigen Schlagzeug- oder Dance-Automaten oder aber recht traditionell, die Baseball-Abschlags-Trainingshalle, die direkt über der Parkgarage liegt. Es wird gespielt wie verrückt!!!
Apropos Menschen in Tokyo; die Jugendlichen modisch bis zum "abwinken", die älteren Menschen ruhig und besonnen, jeder Berufsmann mit einer vollständigen und korrekten Arbeitskleidung, die kleinen Schülerinnen in ihren "standardisierten" Uniformen mit jeweils zwei Schirmen (es hat jedoch nie geregnet!), aber alle sind sie hilfsbereit und dies zu jeder Zeit, jedoch immer sehr zurückhaltend.

Möchte man in Tokyo irgendetwas wissen, so sollte die erste Frage lauten "Do you understand a little bit English?". Japaner haben die Perfektion im Blut, denn wer nicht wirklich perfekt Englisch sprechen kann, wird auf die Frage "Do you speak English?" immer mit Händeabwinken oder wenn er mutig ist, mit NO antworten (wer verliert schon gerne sein Gesicht!!).

Es ist auch sehr gewöhnungsbedürftig mit all den Menschen zu kommunizieren, die immer Lächeln, obwohl man mit dem "Dorftrottel" zusammen steht. Ein Beispiel:

Als das Kreditkartenlesegerät in einem Schuhladen nicht funktionierte, hatte der Ladenbesitzer mit der Kreditkartengesellschaft ein 20-minütiges Gespräch, bei dem er den Telefonhörer neben sich liegen hatte und immer wieder "hai-hai-hai" in den Raum rief, einfach nur um das Gespräch im Gang zu halten und es schliesslich auch so abzuschliessen (Telefonhörer einfach auf die Gabel legen und dabei immer laut "hai-hai-hai" rufen!!). Man hätte ja einfach sagen können, "es scheint, sie sind nicht in der Lage, mir weiter zu helfen zu können resp. zu wollen!". Das Resultat wäre für mich das gleiche gewesen. Ab zum nächsten Bankomat und Geld abheben ...


In Tokyo hat es nebst den grossen Hauptstrassen im Zentrum, die kaum vom Verkehr verstopft sind, auch die vielen kleinen Quartierstrassen. Eng, unübersichtlich, verwinkelt und mit hunderten von Hinweisschildern geschmückt. Um sich auch in diesen Strassen per Auto "bewegen" zu können, wurden spezielle Autotypen hergestellt; klein, heruntergesetzt, extra schmal (statt 2 Personen neben einander nur eben 1 1/2 Personen, eigens für Asiaten!!!). Natürlich gibt es auch die protzigen grossen Strassenkreuzer, die die grossen Strassen verzieren. Ob links- oder rechtsgesteuert spielt dabei keine Rolle, nur eben protzig muss es sein!

Und wer sich vom Alltagsstress erholen möchte, der nutzt die Möglichkeit des "Pannen- oder Erholungsstreifens" auf den Strassen. Anhalten, Schuhe ausziehen, Rückenlehne horizontal einstellen, Zeitung lesen, Musik hören oder einfach nur schlafen. Klar! Wer nicht frieren möchte, der lässt den Motor laufen. Wir hatten den Anschein, dass die Japaner eher zu den "Kälte-empfindlichen" Personen gehören!
Für uns beide, an den Lebensstil der Chinesen gewohnten Besucher, gab es noch weitere Entdeckungen. In Beijing befinden sich überall kleine Verkaufsläden, die beinahe den ganzen Tag geöffnet sind. In Tokyo existieren seit den Olympischen Spielen 1964 moderne Selbstbedienungs-Automaten, an denen von kalten und heissen Getränken (inkl. Kaffee), Zigaretten und Alkohol (nur bis ca. 20:00 Uhr, um das Rauchen und Trinken der Jugendlichen in der Nacht zu verhindern!) auch vielerlei weitere kleinere Artikel gegen Cash oder Kreditkarte bezogen werden können.

In den meisten öffentlichen Anlagen und in den besseren Restaurants (und Love-Hotels) findet man die Closomat-WC's. Mit mehreren verschiedenen "Spül- resp. Reinigungsstufen" kann man(n) resp. Frau experimentieren.

Japan gilt als sehr sicheres Land, daher ist es selbstverständlich, dass die aktuellen Handys an den Verkaufsläden gegen die Strasse offen zugänglich für Jedermann zur Ansicht bereit liegen. Keine störenden Sicherheitskabel, keine Alarmanlagen, keine aufdringlichen Verkäufer; einzig der Genuss, das neue Wunderding in die Hände zu nehmen, es auszuprobieren (ja, auch der Akku ist aufgeladen!) und sich für eine mögliche Kaufsentscheidung vorzubereiten. Und falls es doch nicht das gewünschte Modell ist, einfach zurücklegen und das nächste ausprobieren.

Wer Tokyo besucht, wird nebst der Sauberkeit auch die Armut der Menschen kennen lernen. Kultiviert sitzen diese Menschen in den Parkanlagen, UBahn-Sitzzonen oder sonstigen Passagen und warten bis der Tag sich dem Ende neigt. Abends trifft man diese angelehnt an die warmen Häuserwände von Museen, grossen öffentlichen Anlagen und Pärken, oder im ad-hoc zusammengestellten "blauen" Wohnquartier wieder. Während des Tages werden all die Nachtquartier fein säuberlich zusammengeräumt und versorgt. Friedlich und diszipliniert, wie beinahe alles im japanischen Alltag!
Die kleine Glückskatze hält jeweils mit einer Pfote das Geldstück und mit der anderen Pfote (Handfläche nach innen) winkt sie dem Besucher zu, um ihm mitzuteilen, er soll möglichst bald wieder zurückkehren.

Nach einer Woche Tokyo haben wir uns richtig gefreut, in die Alltags-Hektik von Beijing zurück zu kehren, den Lärm und das Lachen zu geniessen und sich des Lebens zu erfreuen. Wer hätte dies gedacht, dass man sich freuen kann, wieder zurück nach China zu reisen!

Der Rückflug im Jumbo der Air-China brachte uns sicher und mit einem letzten speziellen Erlebnis zurück nach Beijing, wo wir bereits von unseren chinesischen Freunden sehnlichst erwartet wurden.
Tokyo eine Reisedestination der besonderen Erfahrungen, völlig anderes als alles, dass man bisher gesehen hat. Wir haben nur Teile dieser Stadt gesehen und erlebt und mussten schliesslich feststellen, dass dieser Stadt und vermutlich auch dem ganzen Land einiges abhanden gekommen ist. Enttäuscht waren wir vor allem über
  • die mangelnde Flexibilität
  • die fehlende Individualität
  • wenig bis gar keine Spontanität
  • keine sichtbare Lebensfreude

aber erstaunt waren wir von der absoluten Höflichkeit und dem Willen zu helfen. Tokyo eine absolut sichere Stadt, mit Menschen, die einem zu jeder Zeit helfen werden!

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